Proteste in Italien – damit wollen die deutschen Medien den Bürger nicht beunruhigen

13. Dezember 2013 l l Länderberichte

Über die Proteste und Demonstrationen in der Ukraine wird Tag für Tag in den deutschen Medien in großer Ausführlichkeit berichtet. Da geht es ja auch gegen den richtigen Gegner in Moskau, und die Demonstranten tun das, was die deutsche Politik und die Medienlandschaft von ihnen erwartet: Sie sind für Europa und bestätigen scheinbar auf diese Art und Weise, dass all das, was hier geschieht, doch immer nur gut und richtig ist.

Über massive Proteste in Italien in diesen Tagen kann man in den deutschen Medien fast nichts finden (ich habe lediglich in der FAZ einen kleinen Hinweis an einem ansonsten durchweg „positiven“ Artikel über Italiens Regierungschef entdecken können). Ja, in Italien gibt es Proteste einer „Mistgabelbewegung“, die keinem Parteienbündnis zuzuordnen ist. Die Financial Times schreibt gar dazu, dass Italiens Establishment von den „pitchfork protests“ erschüttert wird.

Das Besondere an der Bewegung scheint zu sein, dass sie sich aus ganz unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft speist, die alle nur im Sinn haben, die gegenwärtige Regierung und möglichst viele Politiker zum Teufel zu jagen. Das ist extrem gefährlich, weil undifferenzierte Angriffe auf „die Politik“ schlechthin der Nährboden für radikale Bewegungen sind, die dem Volk versprechen, ein für alle Mal mit „denen da oben“ abzurechnen. Die Weimarer Republik lässt grüßen.

Meldungen über solche Entwicklungen in unserem Nachbarland stören natürlich den Sonntagsfrieden der deutschen Medien und der deutschen Politik, weil sie zeigen würden, dass das schöne Bild von Europa, wo aufgrund der guten deutschen Politik alles in die richtige Richtung geht, eine glatte Lüge ist. Die gesamte Medienlandschaft in Deutschland entwickelt sich unaufhörlich und mit zunehmendem Tempo zur Manipulations- und Machterhaltungsmaschine, die dafür sorgt, dass nur die Informationen die Menschen erreichen, die den Mächtigen in Politik und Wirtschaft in den Kram passen. Mit freiem Journalismus und der vierten Gewalt hat das schon lange nichts mehr zu tun.

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