IG-Chemie schließt mit etwa 3 Prozent ab

Entgegen anderslautender Meldungen, die wieder einmal die in Tariffragen leider übliche Verwirrung stiften, so z.B. der immer wieder ominöse Henrik Müller in Spiegel-Online, ist der vergangene Woche erfolgte Abschluss der IGBCE nicht so toll, wie es auf den ersten Blick aussieht. 3,7 Prozent wird landauf landab gemeldet, aber ohne zu sagen, dass die Laufzeit 14 Monate beträgt.

Rechnet man, was den einzig sinnvollen Vergleich mit den üblicherweise benutzten Größen ergibt, auf 12 Monate um, erhält man etwa 3,1 Prozent für die normale 14-Monate-Variante und für die im Vertrag auch vorgesehene Variante, dass Unternehmen, die „sich in gravierenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden“, noch einmal zwei Monate schieben können, kommt man auf ca. 2,8 Prozent Lohnzuwachs.

Das Maß für einen unter normalen Umständen in Europa geeigneten deutschen Lohnabschluss ergibt auf der Basis einer gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsberechnung für Deutschland im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2013 zusammen mit dem Inflationsziel von 1,9 Prozent einen Wert von 2,9 Prozent. Der ist also erreicht. Das reicht aber nicht, um die Lasten der Vergangenheit abzutragen. Soll auch nur ein Ausgleich der Wettbewerbsfähigkeit in der Europäischen Währungsunion innerhalb von zehn Jahren ohne Deflation in den Krisenländern geschafft werden, müssten die Nominallöhne, um die es hier geht, in Deutschland um 4,5 Prozent bis 5 Prozent jährlich in jedem dieser zehn Jahre steigen, während sie etwa in Frankreich nur um ungefähr 2 Prozent zulegen dürften.

Ausgleich der Wettbewerbsfähigkeit reicht aber auch nicht. Denn die anderen Länder müssen für eine erhebliche Zeit wettbewerbsfähiger als Deutschland sein, um ihre Schulden zurückzuzahlen, die sie gegenüber Deutschland gemacht haben. Dazu müssten die Löhne noch weit länger mit den genannten Raten zulegen oder Deutschland müsste zehn Jahre lang noch weit höhere Lohnzuwachsraten haben.

Das bedeutet, dass für die Rettung der Europäischen Währungsunion mit diesem Lohnabschluss in der Chemieindustrie nicht einmal im Ansatz etwas gewonnen ist.

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